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Sicherung
des Standorts Deutschland |
Das Thema "Zukunftssicherung des Standorts Deutschland" steht nach wie vor im Mittelpunkt des Interesses. Wir finden dabei viele unserer seit Jahren vertretenen Thesen in der öffentlichen Diskussion wieder und sehen uns in wesentlichen Punkten bestätigt. Allerdings legen wir wert darauf, dass verstärkt auf die große Bedeutung einer intakten öffentlichen Verwaltung für die Zukunftssicherung des Standortes Deutschland eingegangen wird. Dies gilt insbesondere für den technisch-naturwissenschaftlichen Verwaltungsdienst, der einen großen Anteil an der Aufbauarbeit in den Bundesländern hat. Im übrigen geht es bei der "Zukunftssicherung des Standorts Deutschland" nach unserer Einschätzung vor allem um die nachfolgenden Problembereiche:
Akzeptanz von Technik und Naturwissenschaft in der Gesellschaft
In der Öffentlichkeit, in der politischen Diskussion, in den Medien und
vor allem in den Schulen muss noch erheblich mehr für Akzeptanz von Technik
und Naturwissenschaft getan werden. Aus opportunistischen Gründen überbieten
sich einige Politiker und Medien in der Verunglimpfung von Technik und Naturwissenschaften
und vereiteln damit eine Wiederbelebung der Konjunktur und eine zukunftssichernde
Neuorientierung. Es muss endlich deutlich gemacht werden, dass ohne technisch-
naturwissenschaftlichen Fortschritt weder das "soziale Netz" aufrechterhalten,
noch eine realistische Umweltpolitik erfolgreich betrieben werden kann. Technik
und Naturwissenschaft sind Partner einer zukunftsweisenden Umweltpolitik, nicht
Gegner.
Der BTB erwartet, dass sich die Politiker im Konfliktfalle schützend vor
jene Beamten und Angestellten stellen, die seine Gesetze ausführen. Konflikte,
die Politiker verursacht oder zu verantworten haben, dürfen nicht länger
zu Lasten der Beamten und Angestellten der öffentlichen Verwaltung ausgetragen
werden.
Stärkere Nutzung des technisch-naturwissenschaftlichen Sachverstandes
Zur Bewältigung der vorhandenen Probleme muss die Nutzung des technisch-naturwissenschaftlichen
Sachverstandes auf allen Ebenen der öffentlichen Verwaltung und in der
Politik stärker als bisher sichergestellt werden. Allzu oft werden Führungspositionen
berufsfremd besetzt.
Parteibuchentscheidungen und "Klüngel" kommen hinzu. Die fehlende
Fachkompetenz muss teuer bezahlt werden und behindert die Sicherung des Industriestandorts
Deutschland.
Vereinfachung der Regelungskompetenz und des Planungsrechts
Hier sind gute Ansätze in der Gesetzgebung erkennbar. Die derzeitige Regelungsdichte
muss weiter gelockert und das Verständnis der Bürger für notwendige
Projekte sachkundig und intensiv geweckt werden. Es ist unerträglich, dass
wichtige Planungsvorhaben durch private Interessen vielfach zu langwierigen
Planfeststellungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren führen und dadurch
langjährig blockiert werden.
Lösung bildungspolitischer Probleme
Der Stellenwert der beruflichen Bildung muss erheblich verbessert werden. Das
Abitur muss uneingeschränkt die allgemeinbildenden Voraussetzungen zu einem
Hochschulstudium garantieren, der tertiäre Bildungsbereich im Hinblick
auf die europäischen Rahmenbedingungen neu gestaltet werden. Die Kern-Studienzeiten
sind angemessen zu verkürzen, damit ein erster berufsbildender Abschluss
deutlich früher als bisher erreicht werden kann. Fachhochschulen und wissenschaftliche
Hochschulen (Universitäten) sind didaktisch so miteinander zu verknüpfen,
dass wechselseitige Übergänge besser möglich werden. Der Stellenwert
der Fachhochschulen muss eindeutig formuliert und aufgewertet werden.
Kooperation von privater Wirtschaft und leistungsfähigem öffentlichem
Dienst
Eine gute Kooperation zwischen privater Wirtschaft und öffentlichem Dienst,
die Befreiung der technisch-naturwissenschaftlichen Fachverwaltungen von überflüssigem
bürokratischem Ballast, eine flexiblere Organisations- und Personalführung
und eine leistungsgerechte Bezahlung der Beschäftigten sind die Voraussetzungen,
um auch auf diesen Feldern international wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir
setzen auf eine gute Zusammenarbeit zwischen der privaten Wirtschaft und dem
öffentlichen Dienst und nicht auf strukturschädigende Privatisierungsmaßnahmen.
Deutschland braucht beides: Eine international wettbewerbsfähige freie
Wirtschaft und einen leistungsfähigen öffentlichen Dienst.
Aufgabenkritische Prüfung öffentlicher Dienstleistungen
Wir wehren uns nicht gegen eine sachgerechte Überprüfung staatlicher
Dienstleistungen. Allerdings müssen die Vorgaben objektiv formuliert sein.
Man muss sorgfältig prüfen, welche Leistungen der Staat für seine
Bürger auch zukünftig zu erbringen hat und auf welche man verzichten
kann. Dabei gibt es sicher auch Bereiche, die besser und kostengünstiger
in privater Hand betrieben werden können. Leider wird aber derzeit zum
Schaden der Bürger ein großangelegter Ausverkauf öffentlicher
Dienstleistungen betrieben. Die Folgewirkungen sind noch nicht abzusehen.
Einsatz von Unternehmensberater-Firmen, kostenträchtige "Alibi-Veranstaltungen"
Als kostenträchtige "Alibi-Veranstaltungen" werten wir den Einsatz
von Unternehmensberater-Firmen, die nach unserer Einschätzung mit nicht
kompetenten Mitarbeitern dicke Gutachten erstellen, deren Tendenz vorab mit
dem Auftraggeber abgestimmt worden ist. So kann es nicht überraschen, wenn
viele Organisationsänderungen keine Effektivitätssteigerung zur Folge
haben, sondern Demotivation bei den Beschäftigten, Verschlechterung der
Bürgernähe, Gefährdung der Fachkompetenz und nicht zuletzt erhebliche
Kostensteigerungen.
Modernisierung der Verwaltungsstrukturen statt falscher Privatisierung
Wir setzen uns ein für eine Modernisierung der Verwaltungsstrukturen anstelle
falscher Privatisierung. Es ist pervers, Privatisierungsvorhaben damit zu begründen,
das öffentliche Dienstrecht und das Haushaltsrecht, für das doch die
Politiker selbst die Verantwortung tragen, sei zu starr, zu wenig geeignet,
um auf die Anforderungen der heutigen Zeit zu reagieren. Notwendig ist seit
langem eine grundlegende Reform des öffentlichen Dienst- und Haushaltsrechts.
Fachkompetenz und Bürgernähe der technischen Behörden gehen
verloren
Das von allen politischen Parteien benutze Schlagwort von einer "schlanken
Verwaltung" läuft zum Schaden der Bürger auf eine Vernichtung
des bis heute noch intakten und international anerkannten öffentlichen
Dienstes in Deutschland hinaus. Auf breiter Front wird die beispielhaft gute
Infrastruktur des öffentlichen Dienstes in Deutschland zerstört. Fachkompetenz
und Bürgernähe der technischen Fachbehörden gehen verloren. Als
Beispiele seien genannt die Privatisierung angeblich staatlicher Monopole, nach
Bahn und Post nun auch bei der Eich-, Kataster- und Vermessungsverwaltung, die
Kastrierung der Umweltverwaltungen durch einen "Umwelt-TÜV" und
der Landesstraßenbauverwaltungen durch Privatisierung der Fernstraßen
und Gründung von Planungsgesellschaften, die nicht an die strengen Haushalts-
und Verwaltungsverfahrensgesetze gebunden sind. Die Zeche bezahlen die getäuschten
Bürger durch immer neue Abgaben und Gebühren neben den Steuern.
Personal- und Sachausstattung der technischen Fachverwaltungen verbessern
Die technisch-naturwissenschaftlichen Fachverwaltungen und Betriebe müssen
eine Personal- und Sachausstattung erhalten, die zu einer sachgerechten Aufgabenerledigung
notwendig ist. Sie dürfen nicht konkurrenzunfähig zu vergleichbaren
Einrichtungen der privaten Wirtschaft werden. Ohne intakte technisch-naturwissenschaftliche
Fachverwaltungen ist eine Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, insbesondere
ein Aufbau der Verwaltungsinfrastruktur in den östlichen Ländern unmöglich.
Solidarbeitrag zum Aufbau der östlichen Bundesländer - Konsolidierung
der öffentlichen Haushalte
Wenn wirklich unvermeidbar, sollten gesellschaftspolitische Kosten wie z.B.
im Zusammenhang mit der deutschen Einheit, Kosten für die Arbeitsmarktpolitik
sowie für Gesundheit und Alter über die Einkommensteuer geregelt werden.
Spezielle Sondersteuern für die "Besserverdienenden" sind keine
Lösungswege. Die Steuerprogression trifft ständig steigend ohnehin
bereits jetzt in erheblichem Umfang auch die mittleren und gehobenen Einkommensempfänger
und nicht nur die "Besserverdienenden", was immer man darunter verstehen
mag.
Bevor also weitere Abgabemodelle "am laufenden Meter" entwickelt werden,
müssen zunächst ernsthaft die Möglichkeiten weiterer Einsparungen
geprüft werden. Hierzu nur einige Stichworte:
Die Solidarbeiträge der Beschäftigten des technischen Verwaltungsdienstes
Die Beschäftigten des technisch-naturwissenschaftlichen Verwaltungsdienstes
sind bereit, auch weiterhin ihren Beitrag zum Aufbau moderner Verwaltungsstrukturen
zu leisten, wie dies in den letzten Jahren bereits geschehen ist. Sozialorientierte
Solidarbeiträge für den Aufbau Ost, an denen alle Bürger beteiligt
sind, tragen wir mit. Erneute Sonderopfer für den öffentlichen Dienst,
insbesondere für Beamte, lehnen wir ab.
Vorbildfunktion der in Staat, Wirtschaft und Verwaltung Verantwortlichen
Die in Staat, Verwaltung und Wirtschaft Verantwortlichen sollten sich ihrer
Vorbildfunktionen bewusst sein. Leider ist dies jedoch allzu häufig nicht
der Fall. Politikverdrossenheit kommt nicht von ungefähr. Beispiele hierzu
gibt es genug: Vetternwirtschaft, Eigennutz, fahrlässiger Umgang mit Steuergeldern.
Wir wenden uns mit Nachdruck gegen jede Art von Korruption und Verschwendung
von Steuergeldern.
Dem übertriebenen Anspruchsdenken der Bürger muss begegnet werden.
Es steht auch in einem seltsamen Gegensatz zu der Kritik an der "ausufernden
Bürokratie" und dem Ruf nach einer "schlanken Verwaltung".
Im übrigen haben die Politiker eine erhebliche Schuld durch ihre vielfältigen,
teilweise unrealistischen, Wahlversprechungen.
Leistungs- und funktionsgerechte Bezahlung
Die Bezahlung der Beschäftigen des öffentlichen Dienstes muss unter
stärkerer Berücksichtigung der Gehaltsstrukturen der privaten Wirtschaft
erfolgen. Ein gesunder Wettbewerb zwischen der privaten Wirtschaft und dem öffentlichen
Dienst ist auch bei Berücksichtigung der Besonderheiten des öffentlichen
Dienstes unverzichtbar. Vor- und Ausbildung, Leistung und Verantwortung sind
hierbei unverzichtbare Wertmaßstäbe. Willkürlich angesetzte
Kürzungen aus rein fiskalischen Gründen bringen keine wirkliche Einsparung.
Die Einkommensentwicklung im öffentlichen Dienst darf weder im Osten noch
im Westen von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelt werden. Gerade
im technisch-naturwissenschaftlichen Dienst macht sich die Schere zwischen den
starren laufbahn- und besoldungsrechtlichen Regelungen im öffentlichen
Dienst und dem flexiblen, stärker auf Leistung ausgerichteten System der
privaten Wirtschaft immer stärker bemerkbar. Es ist überfällig,
dass die Bundesregierung über die in den letzen Jahren getroffenen Maßnahmen
hinaus den besonders strukturierten Berufsbildern des technisch-naturwissenschaftlichen
Verwaltungsdienstes und der Entwicklung der Bildungssysteme Rechnung trägt.
Fatale Folgen für den technisch-naturwissenschaftlichen Dienst und damit
für den Industriestandort Deutschland
Für den technisch-naturwissenschaftlichen Dienst haben "Nullrunden",
die de facto "Minusrunden" sind, begleitet von der Zerschlagung bisher
intakter Behördenstrukturen, fatale Folgen. Damit ist eine dringend notwendige
leistungsorientierte Nachwuchsgewinnung nicht zu sichern. Die Erosion an guten
Kräften wird weiter zunehmen. Der Industriestandort Deutschland ist aber
ohne einen leistungsstarken öffentlichen technisch-naturwissenschaftlichen
Verwaltungsdienst nicht zu sichern.